Graffiti in Baunatal

Wer sich in Baunatal im öffentlichen Raum bewegt, kann hier und da bunte Zeichnungen oder Bilder an Flächen entdecken. Ob an Mauern im Parkhaus, Unterführungen oder an Bushaltestellen, sieht man es, das Graffiti. Was dem einen ein Ärgernis ist bezeichnet der nächste als Kunst und Kreativität. Für den einen nicht entzifferbares Gekritzel und für den anderen das ganz individuelle Markenzeichen. Immer wieder steht das Graffiti massiv in der Kritik und von vielen Seiten wird diskutiert inwiefern man härter gegen die oft illegale Kunst vorgehen solle.

Unter dem Begriff Graffiti (gr. Yράφειν Schreiben) versteht man die gestalterische Erschaffung von Elementen die meist gut sichtbar angebracht, aufgesprüht, gemalt oder andersweitig auf einem Untergrund in Form gebracht wird. Häufig handelt es sich dabei um Plätze im öffentlichen Raum die deutlich sichtbar für Passanten dem Werk eine gewisse Aufmerksamkeit verschaffen sollen. Die ersten Formen solcher Graffiti kann man schon aus längst vergangenen Epochen nachweisen und nicht selten lieferten sie wichtige Hinweise zur historischen Erschließung bestimmter gesellschaftlicher Prozesse oder der politischen Meinungslandschaft zu der Zeit. Ab dem 20 Jhd. gesellten sich eine Reihe neuer Motive hinter das Anbringen von Graffiti. Ab den dreißiger Jahren in New York dienten Graffitis beispielsweiße häufig zur Markierung von Revieren oder zur Veräußerlichung bestimmter Zugehörigkeiten. Anderswo dienen Schriftzüge als Mutproben oder um sich persönlich zu verwirklichen. Im Laufe der Jahre haben sich unzählige Formen des Graffiti entwickelt und mindestens genauso viele Beweggründe stecken dahinter. In Baunatal hat man es gewöhnlich mit zwei dieser Formen zu tun. Zum einen kann man immer wieder aufwendig geschaffene Schriftzüge oder Bildern, meist großflächig und mit verschiedenen Farben entdecken. Diese bedürfen einiger Erfahrung und sind von den Künstlern häufig vorher geplant. Das Spektrum der Abbildungen  reicht vom eigenen Pseudonym über den Fußballclub bis hin zu bestimmten Marken oder politischen Positionen. Viel häufiger entdeckt man aber die sogenannten „Tags“ (engl. Markierungen). Dahinter verbergen sich einfache, einfarbige Schriftzüge die meist nur den Künstlernamen o.ä.  zeigen. Für diese Form braucht es weitaus weniger Erfahrung, Material und Zeit, sodass sie besonders interessant für Häuserwände, Stromkästen oder Parkdecks ist. Künstler „taggen“, um sich u.a. in der Szene bekannt zu machen, sich gegen Konkurrenten zu behaupten oder zur Selbstverwirklichung. Größtenteils letztere Form des Graffitis stellen aus Sicht der Verwaltung ein Problem dar, da sich die Künstler im öffentlichen Raum im Sinne der Sachbeschädigung strafbar machen. Tags verraten nur äußerst selten die Identität der verantwortlichen Person, und die Entfernung des Graffiti ist sehr aufwendig und kostenintensiv. Gleichzeitig ist die Verwirklichung und der künstlerische Ausdruck junger Menschen ein wichtiger Teil der Sozialisation und des Erwachsenwerdens. Im Gespräch mit jungen Sprayern ist sehr häufig die Rede davon, dass Graffiti für sie ein Hobby ist, wie für andere das Geige spielen oder der Fußballverein. Im Sinne der Kunst- und Jugendförderung war und ist nun also die Frage, wie man mit Jugendlichen aus der Graffitiszene umgehen soll.

Die Stadt Baunatal hat sich in den letzten Jahren immer wieder mit dieser Frage beschäftigt und kam zu dem Schluss, dass das Hobby an bestimmten Plätzen erlaubt werden soll. So schafft man Raum für junge Künstler ungestört ihrer Freizeitaktivität nachzugehen, und gleichzeitig die illegalen Flächen weniger attraktiv zu machen. Selbstverständlich wird dadurch keine völlige Abkehr des verbotenen Graffitis erwirkt, aber wenn man die legalen Sprayplätze betrachtet kann man eine rege und aktive Nutzung feststellen. Dazu hat die Stadt in Absprache mit der Polizei ein Schreiben aufgesetzt, dass Graffitikünstler mit sich führen können um die Legalität ihrer Tätigkeit nachweisen zu können. Dieses Schreiben kann bei den Streetworkern oder im JUZ angefordert/ abgeholt werden. So kann in  Zukunft ein harmonisches Zusammenleben zwischen jungen Künstlern und der Baunataler Bevölkerung gesichert werden.

Als Tipp von der Streetwork an Passanten: Sollten sie Jugendliche an illegalen Plätzen beobachten, empfehlen wir, sie darauf hinzuweisen und über die legalen Flächen zu informieren. Tagging oder sonstiges Graffiti an verbotenen Flächen ist strafbar und kann im jugendlichen Alter zu unangenehmen Jugendstrafen und Einträgen in entsprechenden Akten führen.

Als Tipp von der Streetwork an Graffitikünstler: Holt euch eine Kopie im JUZ Second Home. Verhaltet euch auch an legalen Flächen angemessen und schmeißt eure Dosen o.ä. danach in den Mülleimer. Viel Spaß beim Sprayen 😉

 

 

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