Wir haben es geschafft! Das war der Deutsche Präventionstag

Am Montag starteten wir gegen 7.30 Uhr in Richtung Hannover. Der „Verkehrsgott“ war auf unserer Seite und ohne Verzögerungen kamen wir in unserem Hotel an. Pünktlich zur Eröffnung waren wir dann im Kongresszentrum. Nach der Mittagspause teilten wir uns auf, um verschiedene Themenboxen zu besuchen.

Ich war in der Veranstaltung zu sexueller Gewalt. Unter diesem Thema gab es 3 Einzelvorträge: Sexueller Kindesmissbrauch durch Jugendliche: Ergebnisse des Berliner Präventionsansatzes, Referent: Prof. Dr. Dr. Claus M. Beier; „Was tun gegen sexuellen Missbrauch? Ben und Stella wissen Bescheid“ – Ein Präventionsprogramm für Kinder und Jugendliche mit Behinderung, Referent: Bernd Eberhardt und Kerstin Kremer; Ungewollte Verbreitung von Sexting-Abbildungen. Fragen für Intervention und Prävention, Referent: Julia von Weiler.

Besonders spannend fand ich die Ausführungen von Herrn Beier. Ich bin z.B. davon ausgegangen, dass Pädophilie bzw. die Präferenz junge Kinderkörper sexuell Attraktiv zu finden, sich erst als Erwachsener ausbildet. Jedoch ist dies nicht so. Bereits 13, 14, oder 16 jährige merken, dass sie gleichaltrige als unattraktiv empfinden. Die brisanz des Themas, kommt erst mit zunehmenden Alter. Ich denke, an dieser Stelle könnten noch einige Projekte ansetzen.

Zum Teil belustigend war die vortragsweise von Frau von Weiler zum Thema Sexting. Sie war nah an der Lebenswelt der Jugendlichen. Benutzt sogar sprachliche Formulierungen der Kohorte und wirkt doch ganz authentisch dabei. Im Prinzip kann man zusammenfassend festhalten, dass Sexting unter Jugendlichen heutzutage verbreitet ist, wir uns jedoch kein Urteil über das Verhalten erlauben dürfen. Was wir jedoch tun können, ist aufzuklären und bei Eskalationen zu unterstützen.

(Man sollte dabei auch beachten, dass Sexting kein reines Jugendthema ist, denn 87% der 18 bis 80 jährigen haben bereits ein Mal in ihrem Leben Sexting betrieben.)

Der Tag ging dann auch schon fast zu neige. Nach einer erfrischenden Dusche, besuchten wir die Abendveranstaltung im Neuen Rathaus. Diese Attraktion in Hannover ist sehr zu empfehlen. Wir waren begeistert von dem Bau. Wir aßen mit den anderen Kongressteilnehmern zu Abend und unterhielten uns mal hier und mal dort mit verschiedenen Personen aus verschiedenen Städten und Professionen.

Am Dienstag ließen wir es etwas ruhiger angehen. Am Vormittag besuchten wir die Ausstellung (Die Ausstellerliste findet ihr hier.) und fieberten unseren eigenem Referat entgegen. Ich war doch schon etwas nervös… Aber es verlief zu unserer vollsten Zufriedenheit und wir könnten mit der Thematik locker auch eine Themenbox allein füllen (2 Stunden nimmt eine Themenbox in Anspruch und ein Projektspot etwa 30 Minuten). Im Nachhinein ergaben sich noch tiefgreifende Gespräche mit den Zuhörenden. Ich hoffe, wir konnten einiges in Gang bringen und andere in ihrer Arbeit bestätigen oder unterstützen etwas neues in Angriff zunehmen. 

Zur Erinnerung hier noch einmal der Beschreibungstext:

Die aufsuchende Jugendarbeit in Baunatal hat, seit der Gründung im Jahr 2001, kontinuierlich die Zusammenarbeit mit dem Ordnungsamt ausgebaut und vertieft.
Zunächst war der Umgang mit den unterschiedlichen Aufgaben und Arbeitsansätzen eine Herausforderung für alle Beteiligten. Mit der Zeit konnte ein vertrauensvoller und respektvoller Umgang zwischen den Personen und Arbeitsbereichen geschaffen werden. Mit dem Wissen, dass Soziale Arbeit und Polizei mehr Berührungspunkte haben, als man es glauben möchte, galt es als nächstes, über ein akzeptierendes Nebeneinander hinaus zu kommen und eine Basis für gemeinsames kriminalpräventives Handeln zu entwickeln. Hierfür besuchten die Streetworker u.a. die Hochschule der Hessischen Polizei, um über ihr Tätigkeitsfeld zu berichten.
Zuletzt konnten, durch die Bachelorarbeit einer angehenden Polizistin, die Bedingungen beschrieben werden, die eine Kooperation vor Ort ermöglichen. Hierfür wurden Interviews mit dem Bürgermeister der Stadt Baunatal, dem Revierleiter der Polizei und der Streetwork geführt und ausgewertet.
Wir möchten VertreterInnen der Sozialen Arbeit, der Kommunen und der Polizei ermutigen, gemeinsam kriminalpräventiv zu agieren und laden zu unserem Projektspot ein, um unsere gemeinsame Arbeit in Baunatal vorzustellen und zu beleuchten.

Abgesehen von unserem Projektspot ist die Abschlussveranstaltung des Kongresses immer ein absolutes Highlight. In diesem Jahr war das Thema „Integration als kulturelle Adoleszenz“ und wurde von Prof. em. Dr. med. Wielant Machleidt dargestellt.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass unsere Gesellschaft, durch flüchtende Menschen vor die Aufgabe gestellt wird, in jeglicher Art und Weise gute Mütter und Väter zu sein. Denn die Schwierigkeit der Integration besteht darin, dass junge Menschen, die flüchten mussten, ein doppeltes Erwachsenwerden vollziehen müssen. Denn sie werden nicht nur in ihrer Kultur erwachsen, sondern auch in der unsrigen. Zu bedenken ist dabei, dass selbst Erwachsene Menschen, die den Prozess der Adoleszenz bereits abgeschlossen haben, erneut am Anfang stehen und erneut auf elterliche Hilfe angewiesen sind. Jedoch gibt es diese „Eltern“ nicht in greifbarer Nähe, sodass Gesellschaft dazu befähigt werden muss, diese Aufgabe gemeinschaftlich zu übernehmen. Denn nur so können wir die Hindernisse überwinden und zu einer erfolgreichen Integration gelangen.

Am Ende bleibt mit den Worten von Erich Marks, folgendes festzuhalten: „Bleiben Sie alle gute Väter und Mütter, auch wenn Sie keine Kinder haben.“

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