PokémonGo’s überall…

Heute ist es offiziell! Das Augmented-Reality-Game von Niantics geht auch in Deutschland an den Start. Erst wurde wild spekuliert, wann denn der Release sein soll und es soll wohl schon vor Veröffentlichung Serverprobleme geben haben. Aber nichtsdestotrotz: Es ist da! Und schon bereits vor dem heutigen Tag gab es genügend Menschen, die es einfach nicht abwarten konnten.

Natürlich geht der Hype nicht spurlos an uns vorüber. Wobei besonders ich, Vivien, absolut zur Kohorte der mit Pokémon aufgewachsenen zähle. Denn das Spiel wurde bereits 1996 veröffentlicht. Damals die rote Edition mit 151 Tierchen (heute über 6o0) und gespielt wurde sie auf dem dicken, fetten, grauen Gameboy. Abgefahren war das schon damals! Und die kleinen Pokémon (Kofferwort; Japanisch: Poketto Monsutā, Englisch: Pocket Monsters, Deutsch: Taschenmonster) waren in aller Munde. In dem Spiel geht es darum, Pokémon zu fangen, zu sammeln und zu trainieren. Neben dem Game für das Handheld gab es eine Fernsehserie, Sammelkarten, Kinofilme und eine Menge Merchendaise. Bis heute gibt es spezielle Pokémon-Geschäfte. Zeitweilig gab es sogar Pokémon-Vergnügungsparks.

Was ist Pokémon Go?

„Wie bereits beschrieben, handelt sich um eine Art Smartphone-Schnitzeljagd im Freien (Location-based Game). Die App fordert den Spieler auf, sich an „echte“ Orte zu begeben, dort das Smartphone vor sich zu halten, um die Taschenmonster virtuell im Bild der Rückkamera eingeblendet zu sehen. Nun gilt es einen virtuellen Pokéball (der „Käfig“ eines Pokémon) zielgerichtet zu werfen, um es einzufangen. Diese um virtuelle Elemente ergänzte Realität nennt man „Augmented Reality“, zu Deutsch „erweiterte Realität“.
Ein ähnliches Prinzip gibt es auch bei dem Spiel „Ingress“ des gleichen Herstellers. Und hier wie da bildet eine aufgehübschte Google-Maps-Oberfläche die Grundlage. Diese zeigt an, wo und was es im Umfeld zu entdecken gibt. In Pokémon-Arenen können Spieler ihre Wesen trainieren und gegen andere antreten lassen, an sogenannten Pokéstops gibt es hingegen Zufalls-Gegenstände. Und natürlich stolpert man vielerorts über die kleinen Taschenmonster. Pokémon haben bestimmte Elemente. So sind manche Wesen eher – aber nicht ausschließlich in Wassernähe, andere eher des Nachts auffindbar. Als zusätzlichen Anreiz gibt es Herausforderungen, die mit Medaillen belohnt werden“

„Pokèmon Go fordert und fördert den Kontakt mit anderen Spielern. Schließlich wird die Umwelt zum Spielplatz eines Wettbewerbs. So ist es kaum verwunderlich, dass sich an den wichtigen Orten auch Spieler/innen begegnen und sich austauschen. Zudem werden diverse Kommunikationsplattformen zur Absprache genutzt.
Ab einem bestimmten Spielfortschritt wird der Trainer dazu aufgefordert, sich einem von insgesamt 3 Teams anzuschließen. Diese Teams können Pokémon-Arenen besetzen und mit schützenden Taschenmonstern ausstatten. Hier können auch die eigenen Wesen trainiert werden, wodurch sich deren Fähigkeit sowie das Prestige und ab einer gewissen Menge auch das Level der Arena verbessern. Nun können mehr Pokémon zum Schutz platziert werden. Ziel ist es also mit Teammitgliedern zusammenzuarbeiten, um eine möglichst starke Verteidigung aufzubauen. Und umgekehrt gilt es die gegnerischen Arenen anzugreifen und sie für das eigene Team zu sichern. Da die gegnerischen Parteien nicht untätig sind, entsteht so ein dynamisches und spannendes Hin und Her, da die Machtverhältnisse der beteiligten Gruppen ständig wechseln können“ (Quelle).

Doch warum berichten wir hier über das Game?

Natürlich, weil es uns selbst interessiert und auch ich den deutschen Release nicht abwarten konnte. Also Spielen wir schon gemeinsam seit einigen Tagen Pokémon Go.

Was ist uns bisher aufgefallen? Wir sind nicht allein!

Nicht nur das öffentliche Bild verändert sich, sondern auch das Social Media ist voll von Nachrichten über die Taschenmonster. Man sieht Bilder und Artikel mit Warnungen vor Trojanern, das man von Niantics gebannt wird, wenn man das Spiel schon vor Veröffentlichung geladen hat und vieles, vieles mehr. Zwischendrin ein paar Screenshots von Jugendlichen, welche Pokémon sie bereits gefangen haben und wie stark diese schon sind. Eine wilde Mischung… Ein großer Hype…

Selbst für uns hat sich schon vor der Veröffentlichung gezeigt, welche Auswirkungen das Game auf das Stadtbild hat. Ganz nach dem Motto „Ich sehe was, was du nicht siehst!“ rennen Menschen, unterschiedlichen Alters mit dem Smartphone in der Hand durch die Gegend. Sie gehen gemeinsam auf die Jagd und streiten sich um die Arenen im Umfeld. Bestes Beispiel, auf einer Radtour am Montag durch die Innenstadt, standen 3 Männer an einer Kirche. Alle das Smartphone in der Hand und starrten es an. Wir fuhren an ihnen vorbei und Pascal sagte etwas lauter zu mir „Ob hier wohl eine Arena ist?“ Die Männer überhörten ihn nicht und grinsten verdächtig. Das wird jetzt bestimmt noch des öfteren vorkommen.

Doch was wird wohl mit den Jugendlichen geschehen, wenn bereits die Erwachsenen so auf das AR-Spiel stehen? Vermutlich, genau das, was mit jedem Spiel passiert. Es ist eine Zeit lang gehypt, jeder spielt es und irgendwann verliert der größte Teil das Interesse daran – VERMUTLICH!

Doch das wird den meisten Eltern und Pädagogen nicht reichen.

Bereits in den 90er Jahren hatte die Kritik und die Bedenken Hochkonjunktur. Es wurde besonders die kampfbetonte Handlung kritisch ins Blickfeld genommen. Dies gilt sicherlich heute genauso wie früher. Doch sollte man selbst einen Blick ins Spiel werfen, wird man schnell feststellen, dass dies nicht der Fall ist. Denn in den Arenen ist nicht die Vernichtung des Gegners oberste Priorität, sondern es ist ein Kräftemessen und eine Erprobung der Trainerfähigkeiten. Sollte ein Pokémon im Kampf verlieren, stirbt es nicht, sondern ist lediglich geschwächt. Es geht also vielmehr um Taktik, als um pures Kämpfen und Vernichten. Es spielen viele Effekte in einem Kampf zusammen. Zum Beispiel gibt es Wasser- sowie Feuerpokémon. Hier wird auf den ersten Blick offensichtlich, dass ein Feuerpokémon nicht unbedingt effektiv gegen Wasser sein kann (anders herum ist es schon viel effektiver). Oder bestimmte Attaken haben keine Wirkung auf das Gegenüber aufgrund seiner Beschaffenheit. Es ist also vielmehr die Beachtung der komplexen Hintergründe gefragt sowie eine strategische Planung. Es wird spielerisch Problemlösungsverhalten erarbeitet und das durchschauen von komplexen Zusammenhängen. Weiterhin wurde das Spiel damals als sinnlose Zeitverschwendung betitelt. Jedoch sollte hier beachtet werden, dass Freizeitaktivitäten nicht immer in erster Linie sinnvoll sein müssen. Häufig geht es uns doch einfach um den Spaß und die  Unterhaltung. Oder ist das abendliche Fernsehprogramm und die investierte Zeit vor dem Gerät immer sinnvoll und gehaltvoll?

Bei Pokémon Go stellt sich die Frage, wie zeitintensiv ist die App?

Also man trägt das Spiel praktischerweise den kompletten Tag bei sich. Die App kann auf dem Weg zur Bushaltestelle einfach nebenbei verwendet werden oder man trifft sich am Nachmittag gezielt zum Spielen. Aber es lässt sich doch festhalten, dass die investierte Zeit von der Motivation des Spielers abhängt. Aus Online-Rollenspielen ist bereits bekannt, dass höhere Level nur durch Spielzeit, entsprechende Aktionen und Engagement schnell oder überhaupt erreicht werden können. Dies trifft auch auf Pokémon Go zu. Nur mit einem höheren Level kann ich bessere Pokémon fangen, trainieren und man erhält bessere Gegenstände. Um höhere Stufen als Trainer zu erreichen benötigt man natürlich Zeit. Das Spiel selbst baut keinen Handlungs- oder Zeitdruck auf, dieser wird, wenn dann subjektiv empfunden. Das Spiel läuft quasi endlos und die Teams verändern sich stets in ihrem Kräfteverhältnis. Somit entstehen immer wieder neue Herausforderungen und Aufgaben. Die Spieler müssen sich darauf neu einstellen und koordinieren. Dies führt zu einer Langzeitmotivation.

„Erfahrungen mit dem Spiel Ingress haben gezeigt, dass die erfolgsorientierten Spieler sich sehr stark und über einen langen Zeitraum damit beschäftigen können und wollen. Zu dem Hobby haben sich auch Stammtische oder Foren entwickelt, um dort gemeinsam Taktiken hinsichtlich Gebietszuständigkeiten und Einsatzplänen zu besprechen. Die hierbei entstehenden Bekanntschaften tragen laut Aussage der Gamer zur Langzeitmotivation bei und sorgen auch für ein gewisses Verantwortungsbewusstsein. Bei manchen könnte der Druck entstehen, ständig eingreifen zu wollen, zumal aktive und hilfsbereite Spieler generell in kooperativen Games ein besonders hohes Ansehen in der Community innehaben“ (Quelle)

Abgesehen von den oben genannten Fragen taucht auch häufiger die Idee auf, dass sich Location-Based-Gamer mehr bewegen. Dies kommt ebenfalls auf die Persönlichkeit an, denn wenn man sich mit einem motorisiertem Fahrzeug langsam genug bewegt, können ebenfalls Pokémon gefangen werden. Aber abgesehen davon, führt das Spiel schon eher dazu, dass man Abends eine Runde spazieren geht, als auf der Couch zu gammeln. Unterwegs läuft man, aufgrund von auftauchenden Pokémon vielleicht etwas abseits der Wege und erkundet so nicht nur die spielrelevanten Orte sondern auch seine Umgebung.

Wo wir gerade beim Thema Umgebung erkunden sind. Hierzu gehört natürlich auch, dass man sich trotz Spielbegeisterung und höhster Laufmotiviation den Straßenverkehr beachtet. Die ersten Meldungen von Massenkarambolagen durch Pokémon Go stellten sich bereits als Ente heraus aber man sollte doch nichts provozieren.

„Allerdings ist Gelassenheit angebracht. Denn davon, dass nun eine ganze Horde Spieler wie die Lemminge durch die Straßen irrt und vor Laternen läuft, ist nicht auszugehen“ (Quelle)

Dann kommen wir noch zu der Kostenfrage. Der Download des Spieles im entsprechendem App-Store ist kostenlos, ebenfalls die Nutzung. Aber, wie in fast allen Spielen gibt es die Möglichkeit der In-Game Käufe. Bei Pokémon Go können beispielsweise Poké-Münzen erworben werden. Hierbei sollte aber beachtet werden, dass alle Gegenstände auch erspielt werden können. Der Kaufanreiz könnte aber in entsprechenden Situationen sehr hoch sein. Zum Beispiel, wenn man keine Pokébälle mehr in der Tasche hat und ein seltenes Monster auftaucht.

„Verträge mit Minderjährigen (7–17 Jahre) sind zwar grundsätzlich unwirksam, sodass Vertragspartner dementsprechend auch keinen Zahlungsanspruch haben. Ausgenommen davon sind allerdings Verträge, in denen der Minderjährige das Entgelt vollständig mit Mitteln bewirkt hat, die ihm zu diesem Zweck oder zur freien Verfügung von dem Vertreter oder einem Dritten überlassen worden sind (= Taschengeld; vgl. „Taschengeldparagraph“ § 110 BGB). Eltern können allerdings die Geräte so konfigurieren, dass keine Zahlungen getätigt werden können“ (Quelle).

Eine spannende Frage, ist auch immer die nach dem Datenschutz. Es verwundert wohl niemanden, damit bei Pokémon Go viele, viele Nutzungsdaten gesammelt werden, die anschließend zur Analyse-, Personalisierungs- und Marketingmaßnahmen benutzt werden. Insbesondere gehören hier die Bewegungsprofile dazu. Ein sehr interessanter Punkt ist, dass laut AGBs personenbezogene Informationen aus Sicherheitsgründen nach eigenem Ermessen an staatliche Stellen wie Ermittlungsbehörden oder Privatpersonen weitergegeben werden können. Außerdem können Eltern alle Informationen ihrer unter 13-jährigen einfordern. Aber ob man wegen einem Spiel und der Möglichkeit mehr Herauszufinden als üblich, das Vertauen auf’s Spiel zu setzen, sollte gut überlegt sein.

Schlussendlich stellt sich die Frage, für wen ist die Spieleapp nun am besten geeignet und ab welchem Alter sollte sie erlaubt werden?

Ein genaues Alter kann nicht fest gemacht werden. Jedoch sollte das Kind Kaufanreizen widerstehen können, die eigene Spielzeit kritisch reflektieren können, im Kontakt mit Fremden vorsichtig sein, den Wert von Daten erkennen und sich trotz Spiel, sicher im Straßenverkehr bewegen.

Aber wichtiger als das ist, dass Eltern in der Lage sein sollten die negativen Berichterstattungen, genau wie in den 90er Jahren, kritisch zu hinterfragen. Wie vieler Orts bekannt, handelt es sich in den Berichten meist um Ausreißer und extreme Einzelfälle. Eine überemotionale Panikreatkion erfordert ein Spiel meist nicht. Sinnvoller ist es, sich aktiv mit dem spielenden Kind auseinanderzusetzen und sich Pokémon Go einfach mal bei einem gemeinsamen Spaziergang zeigen lassen. Aber Vorsicht! Dies kann dazu führen, dass sie angesteckt werden 😉

 

 

 

Linksammlung für Gamer:

Guide: Wo finde ich Pokémon

Häufigkeit der Pokémon

So wirst du zum Supertrainer

Bugs und Fehler beheben

Eier ausbrüten mal anders

8 important tips to achieve success that Pokémon Go doesn’t tell you!

Handysektor

Eier sortiert nach Distanzen

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Appberechtigungen und Datenschutz

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Sicherheitstipps zu Pokémon Go

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Linksammlung für lustiges über Pokémon:

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Video: Pokémonjagd

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Pokémon Go für PC

Mr. Bean jagt Pokémon

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Linksammlung für informative Texte:

Future of Learning

Fotoserie: Was ist Pokémon Go?

Pikachu und die Parallelgesellschaft

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Bereicherung oder Behinderung?

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Für Eltern und Lehrende

 

Linksammlung Medienberichte:

ZDF – Berichterstattung 2000 bis 2001